Donnerstag 13. Januar 2005, 15:09 Uhr
Rasta-Gemeinde in Äthiopien bereitet Bob Marleys 60. Geburtstag vor
Sheshemene/Nairobi (dpa) - «No woman no cry», sang Bob Marley, der Frauentröster. Dabei schwang er rhythmisch die Hüften und seine Mähne aus verfilzten Haaren. In Jamaikas Gettos geboren, Sohn einer Schwarzen und eines Weißen, der nichts von ihm wissen wollte, sang er gegen die Unterdrückung der Armen an. Bob Marley schenkte der Welt die Reggae-Musik und die rot-grün-gelben Häkelmützen. Am 6. Februar wäre er 60 Jahre alt geworden.
Seine Witwe Rita, eine seiner kubanischen Hintergrundsängerinnen, möchte nun seine sterblichen Überreste von Jamaika nach Äthiopien bringen lassen, in seine «spirituelle Heimat», wie sie sagt. Es ist eine abstruse Mischung aus Religion, Musik, Kult und schwarzer Befreiungsbewegung, die das bitterarme ostafrikanische Land und die karibische Insel miteinander verbindet.
Die Rastafari-Bewegung, zu deren wichtigsten Propheten Bob Marley zählt, hat ihren Ursprung in der schwarzen Bevölkerung von Jamaika. Es war die Sehnsucht nach den afrikanischen Wurzeln, in deren Licht der Kaiser von Äthiopien, Haile Selassie, als der Messias der Bewegung erschien.
Äthiopien hatte damals einen guten Klang: Es war das einzig afrikanische Land, das nie kolonialisiert worden war, und sein Herrscher war der Tradition nach ein Abkömmling des biblischen Königs David. «Ras Tafari», wie der Kaiser vor Amtsantritt hieß, gab der Bewegung den Namen. Er selbst war Christ und sah seine Vergöttlichung durch die Jamaikaner eher mit Skepsis. Doch im Grunde mochte er seine wunderlichen Anhänger und schenkte ihnen sogar ein großes Stück Land in Äthiopien, um dort ihre Träume zu verwirklichen.
In Sheshemene, etwa 250 Kilometer südlich von Addis Abeba, leben noch heute etwa 80 Familien nach den Idealen der Rasta-Bewegung. Sie lassen ihre Haare verfilzen, rauchen Marihuana, um ihren Seelenfrieden zu finden und reden sich gegenseitig mit «Bruder» oder «Schwester» an. Einige sind Nachfahren der Jamaikaner, die sich in den 50er Jahren dort ansiedelten, andere kommen aus Europa oder USA.
«Der 60. Geburtstag von Bob Marley wird in Äthiopien groß gefeiert werden», sagt eine Anhängerin der Rastafari-Gemeinschaft. Geplant ist unter anderem ein zehnstündiges Konzert in der Hauptstadt, zu dem auch der senegalesische Star Youssou N'Dour erwartet wird. Möglicherweise wird anschließend auch eine neue Grabstätte für Bob Marley in Sheshemene eingerichtet. «Wenn es sein letzter Wille war, in Äthiopien beerdigt zu werden, dann soll das auch passieren», sagt die Rasta-Frau.